Schiedsklauseln und Auseinandersetzungsanordnungen – Streitvermeidung im Erbrecht

Erbstreitigkeiten können Familien über Jahre belasten. Unklare Testamentsformulierungen, unterschiedliche Auffassungen über die Nachlassverwaltung oder eine ungleiche Verteilung von Vermögenswerten führen häufig zu langwierigen Gerichtsverfahren. Um solchen Konflikten vorzubeugen, setzen Erblasser zunehmend auf Schiedsklauseln, Pflichtteilsstrafklauseln und Auseinandersetzungsanordnungen in ihren letztwilligen Verfügungen. Diese Instrumente sollen klare Regeln zur Streitbeilegung und Erbauseinandersetzung schaffen und die Erben zur Zusammenarbeit motivieren. Ein Rechtsanwalt oder Fachanwalt für Erbrecht in Hamburg, Kiel und Schwentinental hilft, diese Klauseln rechtssicher zu formulieren.

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Schiedsklauseln im Testament und Erbvertrag

Eine Schiedsklausel ist eine Vereinbarung, mit der die Parteien eines Vertrags oder – im Erbrecht – der Erblasser und seine Erben die Entscheidung von Streitigkeiten einem Schiedsgericht überlassen. In Testamenten oder Erbverträgen kann der Erblasser anordnen, dass Erben ihre Streitigkeiten nicht vor einem staatlichen Gericht, sondern vor einem Schiedsgericht oder Schiedsrichter austragen. Rechtliche Grundlage ist das Zivilprozessrecht. Wichtige Merkmale:

  • Schiedsgericht: Der Erblasser kann einen oder mehrere Schiedsrichter benennen oder die Bestimmung einem Dritten übertragen (z. B. die Rechtsanwaltskammer). Die Schiedsrichter entscheiden verbindlich über den Streit.
  • Schiedsverfahren: Es bietet Flexibilität hinsichtlich Verfahren, Ort und Sprache. Die Entscheidung ist grundsätzlich endgültig; sie kann nur in engen Grenzen aufgehoben werden.
  • Zustimmung der Erben: Erben sind an die Schiedsklausel gebunden, wenn sie die Erbschaft annehmen. Sie können die Erbschaft ausschlagen, um sich der Klausel zu entziehen, verlieren dann aber auch ihren Erbteil.

Pflichtteilsstrafklauseln

Eine Pflichtteilsstrafklausel soll verhindern, dass Erben den letzten Willen des Erblassers anfechten oder Pflichtteilsansprüche geltend machen. Die Klausel sieht eine Sanktion vor, wenn eine als Schlusserbe eingesetzte Person nach dem Tod des erstversterbenden Elternteils seinen ihren Pflichtteil gegen den länger lebenden Ehegatten geltend macht bzw. durchsetzt.  Die Pflichtteilsstrafklausel soll verhindern, dass Kinder nach dem Erstversterbenden ihren Pflichtteil verlangen.

Die Ein Rechtsanwalt kann Ihnen helfen, die Klausel sorgfältig und rechtssicher zu formulieren, um ihre Durchsetzbarkeit zu gewährleisten.

Auseinandersetzungsanordnungen in Testamenten

Eine Auseinandersetzungsanordnung legt detailliert fest, wie der Nachlass unter den Erben aufzuteilen ist. Sie soll die Erben anleiten, das Vermögen ohne Streit zu verteilen. Inhalte sind beispielsweise:

  • Teilungsanordnungen: Bestimmungen darüber, wer welches Vermögensgut erhält (z. B. Wohnung an Kind A, Wertpapiere an Kind B).
  • Bewertungsregeln: Festlegung, wie Immobilien oder Unternehmensanteile bewertet werden (Gutachten, Buchwert, Verkehrswert).
  • Ausgleichszahlungen: Bestimmung, wie Erben mit ungleich verteilten Nachlassgegenständen finanziell ausgeglichen werden.
  • Schiedsstellen oder Mediatoren: Ernennung einer Person (z. B. Testamentsvollstrecker, Notar, Familienrat), die bei Streitigkeiten verbindliche Entscheidungen trifft.
  • Zeitliche Fristen: Vorgaben, bis wann die Auseinandersetzung abgeschlossen sein soll.

Vorteile und Nachteile von Schiedsklauseln und 
Auseinandersetzungsanordnungen

Vorteile:

  • Schnelle und diskrete Streitbeilegung ohne öffentliche Gerichtsverfahren.
  • Fachkundige Entscheidung durch ausgewählte Schiedsrichter oder Fachleute.
  • Gestaltungsspielraum bei der Verfahrensausgestaltung.
  • Festlegung klarer Regeln verhindert spontane Rechtsstreitigkeiten und schützt den Familienfrieden.

Nachteile:

  • Schiedsverfahren können teuer sein, da Schiedsrichter honoriert werden müssen.
  • Schiedsentscheidungen sind schwer angreifbar – fehlerhafte Entscheidungen können kaum korrigiert werden.
  • Schiedsklauseln sind nicht immer für alle Erbstreitigkeiten geeignet; etwa Pflichtteilsansprüche sind vom Schiedsgericht ausgenommen.
  • Testamentsstrafklauseln können als unangemessene Benachteiligung angesehen werden und ggf. unwirksam sein.

Formulierung und Durchsetzung

Bei der Ausarbeitung von Schiedsklauseln und Auseinandersetzungsordnungen ist besondere Sorgfalt geboten:

  • Eindeutige Klauseln: Die Klausel sollte klar regeln, für welche Streitigkeiten sie gilt (z. B. Teilungsstreitigkeiten, Auslegung des Testaments) und welche Verfahren zu verwenden sind.
  • Benennung des Schiedsrichters: Der Erblasser kann einen konkreten Schiedsrichter oder eine Organisation benennen. Alternativ kann eine Bestimmungsklausel verwendet werden (Benennung durch Notarkammer).
  • Verfahrensregeln: Regeln zur Ermittlung des Sachverhalts, zum Beweisrecht und zu den Kosten sollten definiert werden.
  • Schlichtungsstelle als Vorstufe: Eine Mediation oder Schlichtung kann als erster Schritt vorgesehen werden. Erst bei Scheitern folgt das Schiedsverfahren.
  • Wahrung gesetzlicher Rechte: Pflichtteilsansprüche dürfen nicht ausgeschlossen  werden. Die Klausel sollte klarstellen, dass unantastbare Rechte bestehen bleiben.

Praxisbeispiele

Unternehmerfamilie: Eine Unternehmerin setzt in ihrem Testament fest, dass Streitigkeiten über die Unternehmensnachfolge durch ein Schiedsgericht mit drei Wirtschaftsprüfern entschieden werden. Die Erben verpflichten sich, vor einer Auseinandersetzung zunächst eine Mediation zu versuchen. Diese Klausel verhindert öffentliche und langwierige Prozesse.

Berliner Testament mit Pflichtteilsstrafklausel: Ein Ehepaar bestimmt, dass die Kinder den Pflichtteil beim Tod des Erstversterbenden nicht verlangen dürfen. Tun sie es doch, fällt ihr Erbteil beim zweiten Erbfall auf den Pflichtteil zurück. Diese Klausel – eine Variante der Pflichtteilsstrafklausel – hat in der Rechtsprechung Bestand, muss aber klar formuliert sein.

Auseinandersetzungsanordnung für eine Patchwork-Familie: In einem Erbvertrag wird geregelt, dass die gemeinsame Immobilie dem überlebenden Ehegatten zusteht, während die Kinder aus erster Ehe eine Abfindung erhalten. Streitigkeiten über die Höhe der Abfindung werden durch einen Schiedsrichter entschieden.

Rolle von Rechtsanwalt, Notar und Testamentsvollstrecker

  • Rechtsanwalt / Fachanwalt für Erbrecht: Er entwirft die Klauseln, prüft ihre Wirksamkeit und sorgt dafür, dass gesetzliche Grenzen eingehalten werden. Er kann auch als Mediator oder Schiedsrichter fungieren.
  • Notar: Beurkundet den Erbvertrag oder das Testament mit Schiedsklausel, prüft die Formvorschriften und berät über die Möglichkeiten der Testamentsgestaltung.
  • Testamentsvollstrecker: Kann als Schiedsinstanz fungieren oder die Auseinandersetzungsordnung überwachen. Er sorgt für die Umsetzung der testamentarischen Anordnungen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Schiedsklauseln und 
Auseinandersetzungsordnungen

Schiedsklauseln, Pflichtteilsstrafklauseln und Auseinandersetzungsordnungen sind wirksame Mittel, um Erbstreitigkeiten zu vermeiden und den letzten Willen des Erblassers zu sichern. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch von einer klaren und rechtlich einwandfreien Formulierung ab. Sie sollten niemals dazu eingesetzt werden, gesetzliche Pflichtteilsrechte zu umgehen. Eine professionelle Gestaltung durch einen Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht gewährleistet, dass diese Instrumente im Sinne des Erblassers wirken und die Familie vor langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen schützen.

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